Montag, 24. Dezember 2018

Iranische Hochzeit

Wir sind heute bei einem Freund von einem Freund untergekommen. Nach einem Tee sind wir gemeinsam mit dem Auto zu einem trockenen Wasserfall zwischen einer Bergspalte gefahren. Der Sonnenuntergang war traumhaft schön und die Fläche, wo das Wasser normalerweise herunterläuft, war spiegelglatt. Die Fläche war so glatt, dass wir wie auf einer Rutsche herunterrutschen konnten :D natürlich war der Wasserfall nicht so steil wie man sich normalerweise einen Wasserfall vorstellt. Nach dem gemeinsamen Abendessen mit der ganzen Familie am Boden, stand die Frage im Raum, ob wir nicht mit auf die Hochzeit von einem Freund gehen wollen. Ehrlich gesagt, war es mir zu viel und so drucksten wir ein bisschen herum und entschlossen uns für ein Nein. Natürlich gab es am nächsten Tag noch eine andere Hochzeit, diesmal von einem aus ihrer großen Familie (hier ist ständig irgendeine Hochzeit) und so fragten sie uns ob wir vielleicht morgen mitkommen wollten. Eigentlich wollten wir endlich mal wieder etwas mehr Fahrrad fahren und nicht überall zwei Tage chillen. Doch eine iranische Hochzeit wollten wir uns nicht entgehen lassen und so blieben wir doch einen Tag länger. Übernachten durften wir neben an bei dem Bruder, der mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Söhnen für uns das komplette Haus räumte und drüben in seinem Elternhaus übernachtete. Dabei war das Haus riesig und es hätten glatt zwei Familien Platz gefunden. Jetzt stand also der Tag der Hochzeit an. Morgens haben wir noch gemütlich gefrühstückt, Mittags haben wir gemütlich Mittag gegessen und Nachmittags haben wir gemütlich Obst gegessen. In der Familie war noch keine Regung und wir wollten nun dann doch mal wissen wann es los geht. Die Antwort war in 15 Minuten. Wir sind losgeflitzt, haben uns geduscht und umgezogen und standen pünktlich zur Abfahrt vor der Tür. Natürlich war das mal wieder viel zu deutsch. In die Familie ist jetzt auch Bewegung gekommen. Die Mädels und Frauen haben sich hübsche Kleider angezogen und sich mit Schmuck und hohen Schuhen richtig in Schale geschmissen. Zum Schluss wurde der schwarze Tschador übergeworfen und alles wurde darunter wieder versteckt. Nach einer halben Ewigkeit konnten wir endlich starten. Alle drängten sich in die kleinen Autos und los ging die wilde Fahrt. Ob da jetzt zwei auf dem Beifahrersitz saßen oder fünf auf der Rückbank, spielte keine Rolle. Das Auto stoppte und wir durften wieder aussteigen. Ich machte die Tür auf und stieg aus. Arne machte die Tür auf und wollte aussteigen, aber er wurde zurück gerufen und plötzlich fuhr der Fahrer wortlos mit ihm wieder weg. Die Mädels nahmen mich in ihre Mitte und so gingen wir durch ein Tuch hindurch in einen ummauerten Innenhof. Mir kam laute Musik, Gekreische und wildes Getanze entgegen. Leicht überfordert setzte ich mich mit den anderen auf einen Teppich der am Boden lag. Jetzt konnte ich erstmal in Ruhe die Lage überblicken. Hier waren nur Frauen und daraus schloss ich, dass die Feier getrennt statt fand. Dann war da eine Kamera die alles filmte und die Hälfte der Frauen tanzte und die anderen saßen am Rand und taten nichts. Jetzt wurde es auf einmal noch unruhiger und drei Männer kletterten mit großen Kartons auf die Mauern. Sie rissen die Kartons auf und holten Chips, Süßes und Getränke heraus und warfen dies in die Menge. Der Höhepunkt der Feier waren dann die Dollar Scheine die in die Luft geworfen wurden. Es war ein riesiges Durcheinander und alle versuchten irgendetwas abzukriegen. Dann waren die Kisten leer, das Fest war vorbei, die Musik war aus und alle gingen wieder nach Haus. Also wieder rein ins Auto. Dann wieder raus aus dem Auto und rein ins Haus. Da wurden dann die schwarzen Tschadors wieder abgelegt und die schicken Kleider kamen wieder zum Vorschein. Ich war froh Arne wieder zu sehen und er berichtete mir, dass es bei ihm genauso wild zuging. Doch er durfte nicht am Boden sitzen und zuschauen, sondern wurde in die Mitte der Menge geschoben und musste vor laufender Kamera tanzen. Jetzt hieß es auf einmal, dass das noch gar nicht die richtige Hochzeit war, sondern nur der Vorabend einer anderen Hochzeit und wir würden uns jetzt für die richtige Hochzeit fertig machen. Da waren wir erleichter. (Die Hochzeiten im Iran gehen wohl drei Tage lang) Ich ging also mit den Mädels und Frauen ins Zimmer und wir zogen uns erneut um. Sie hatten auch für mich ein traditionelles Kleid und so fiel ich gar nicht mehr so dolle auf :D Ich bekam also zwei Unterröcke, die an der Taille so eng geschnürt wurden, dass ich kaum noch Luft bekam. Dann kam der richtige Rock, pink, mit Perlen bestickt und sehr schwer. Das Oberteil war passend zum Rock auch in Pink und mit Perlen übersät. Natürlich gab es auch einen Hidschab (Kopftuch), doch diesmal nur durchsichtig und dann noch ein Stirnband. Klar bekam auch ich noch Schmuck und schminken wollten sie mich auch noch, aber das wurde mir dann zu viel. Ich schaute lieber zu wie sie sich gehenseitig die Haare machten, schminkten und blaue Kontaktlinsen einsetzten. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir dann soweit. Wieder rein ins Auto, diesmal passte es nicht so gut wie beim ersten Mal, da wir mit unseren Kleidern doppelt so dick waren, hin zur Hochzeit und wieder raus aus dem Auto. Auch diesmal durfte Arne wieder nicht mit aussteigen. Wieder gingen wir in einen ummauerten Innenhof und wieder kam uns laute Musik entgegen und tanzende Frauen, doch diesmal war alles etwas gesitteter. Wir legten unsere Tschadors ab und reiten uns in die tanzende Menge mit ein. Außen wurde im Kreis getanzt und in der Mitte konnte man sich frei bewegen. Es machte Spaß nach iranischer Art zu tanzen und die Mädels drängten sich um mich und wollten mit mir tanzen. Das ging dann etwa eine Stunde so bis plötzlich die Menschen unruhig wurden, sich teilweise hinter Tüchern versteckten und aufhörten zu tanzen. Die Tore der Einfahrt wurden geöffnet und langsam kam ein Auto in den Innenhof gefahren und die Braut und der Bräutigam stiegen aus dem Auto. Als die Tore wieder geschlossen waren, wurden die Frauen wieder etwas lebendiger und fingen erneut an zu tanzen. Für mich war es schwer irgendeine Zeremonie, Rituale oder Strukturen zu erkennen und alles war einfach nur bunt und laut. Wir tanzten fast die ganze Zeit und je nachdem welches Lied gespielt wurde, tanzten wir entweder mit oder ohne traditionellen bunten Tanztüchern. Mir machte es richtig Spaß und ich muss sagen, ich war fast froh, dass es dort ein Foto- und Filmverbot gab, denn sonst wäre ich vor lauter Selfies gar nicht mehr zum Tanzen gekommen. So kamen die Mädels nur so zu mir und fragten mich, ob sie auch mal mit mir tanzen dürften. Das ging alles so lange bis um Punkt 22 Uhr die Musik ausging und alle langsam wieder nach Hause gingen. Also mit den riesen Röcken wieder rein ins Auto und ab nach Hause. Dort sah ich dann Arne auch wieder und der erzählte mir, er habe den ganzen Abend nur Shischa geraucht und nicht einmal das Brautpaar gesehen. Doch wenn wir noch einen Tag länger bleiben, müsste er morgen auch noch tanzen. Das haben wir natürlich nicht gemacht :D Es ist wahrscheinlich also so, dass nach dem “Polterabend“ das Brautpaar erst einen Abend mit den Frauen tanzt und dann einen Abend mit den Männern. Aber so ganz genau wissen wir es auch nicht, da keiner unserer Gastgeber richtig Englisch konnte.

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