Montag, 13. Mai 2019
Zuckerrohr
Zuckerrohr (Saccharum officinarum) ist eine Pflanze aus der Familie der Süßgräser. Das Erscheinungsbild ist grasartig und die Halme haben einen Durchmesser von 20 bis 45 mm und erreichen eine Höhe von 3 bis 6 Metern. Ich denke jeder hat ein Bild vor Augen.
Der Ursprung liegt in Ostasien, doch heute wird die Pflanze in allen klimatisch geeigneten Regionen angebaut und sie ist der wichtigste Rohstofflieferant für die Herstellung von Haushaltszucker. Wir sind hier in Indien zwei drei Mal durch eine Zuckerrohrgegend (Foto) gefahren und haben so einiges gesehen und kennen gelernt.
Die Anpflanzung des Zuckerrohrs geschieht über Stecklinge. Nach ein bis zwei Wochen treiben die Stecklinge aus und die erste Ernte, das Schneiden des Rohrs, kann 9 bis 24 Monate nach dem Auspflanzen erfolgen. Der Erntezeitpunkt richtet sich nach Zuckergehalt und Reifegrad. Die Halme werden direkt über dem Boden abgeschnitten, am oberen Ende der zuckerlose Blattapparat entfernt und zu Bündeln zusammen gelegt. Die Überreste werden oft noch direkt auf dem Feld verbrannt. Die „Halmstümpfe“ schlagen wieder aus und nach weiteren 12 Monaten kann die nächste Ernte geschnitten werden. Ein Zuckerrohrbestand kann bis zu acht Mal geerntet werden.
Die Arbeitsbedingungen auf den Zuckerrohrfeldern sind teilweise problematisch. Es ist harte Handarbeit und häufig werden Kinder und Frauen als Arbeitskräfte eingesetzt; geringe Bezahlung ist ohnehin meist an der Tagesordnung.
Nachdem der Zuckerrohr geschnitten und gestapelte wurde wird er auf Ochsenkarren (Foto), Anhänger oder Trucks geladen. Oft werden die Trucks so voll beladen, dass es den Anschein macht als würden sie gleich umkippen (Foto).
Der Zuckerrohr wird hauptsächlich für die Gewinnung von Zucker genutzt und so wird er direkt zu den umliegenden Zuckerfabriken transportiert und dort wieder abgeladen. Die Fabriken sind nicht groß (Foto), oft direkt an der Straße und meist in einer Region. In der Fabrik wird der durch Pressen gewonnene Zuckersaft durch Kristallisation und Raffination zu Rohrzucker verarbeitet. Das geschieht meist im Freien und als Fabrikgebäude dient ein Holzschuppen. Um Verunreinigungen auszufällen wird dem erhitzten Zuckersaft während des Fabrikationsprozesses Kalk zugesetzt. Der anfallende Schlamm wird nach ein bis zwei Jahren Lagerung an die Farmer verkauft. Auf den Feldern verteilt dient dieser der natürlichen Bodenverbesserung.
Als Nebenprodukt beim Pressen bleibt der faserige Anteil zurück, die Bagasse, die ebenfalls Verwendung findet.
Sie wird zum einen etwa zu 30 % als Brennstoff innerhalb der Zuckerproduktion zur Bereitstellung von Wärme und Strom genutzt. Die restlichen 70 % werden in verschiedenen Bereichen als Rohstoff verwendet. Zum Beispiel in Form von Briketts als Brennstoff im Haushalt, oder auch als Grundstoff zur Herstellung von Papier, Kartonagen und Verpackungsmaterialien, wegen des hohen Zellulosegehalts. Aber auch Teller, Schalen und sogar Becher für Heißgetränke können hergestellt werden, sind wasserdicht und biologisch abbaubar. Die Bagasse wird in Treckeranhängern und Trucks transportiert und damit möglichst viel drauf passt, haben sich die Menschen ein Konstrukt aus Stoff gebaut, was dann flexibel über alle Seiten hängen kann. Das Fahrzeug verschwindet meist ganz dahinter (Foto) und um noch mehr einzufüllen, nehmen sich die Menschen aus Bambus zusammen gebundene Leitern zur Hilfe.
Wird der Zuckerrohr nicht gepresst, so ist er in gehäckselter Form ein wichtiges Viehfutter für Wiederkäuer.
Auch wird der Zuckerrohr während der Erntezeit von den Menschen einfach so gegessen oder als frisch gepresstes und gekühltes Getränk getrunken (Foto).
Der braune Zucker wird in Form von Klumpen gerne auch zum Essen gereicht. Es ist wie der Nachtisch, den die Inder allerdings schon zum Essen dazu essen.
Wir trinken gerne den frisch gepressten Saft wenn wir an heißen Tagen Fahrrad fahren und den braunen Zucker bieten uns unsere Gastgeber auch oft an, wobei ich nicht so gerne puren Zucker esse. Die Inder hingegen lieben diese Süßigkeiten und naschen des öfteren daran.
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