Freitag, 16. November 2018

Familienfeier

Es gab irgendwie nicht so richtig einen Platz an dem wir Mittagspause machen konnten. Es gab keine Bank auf der man hätte sitzen können, es gab keinen Baum an den man sich hätte lehnen können und es gab nur nasse Wiesen auf denen man unmöglich hätte liegen können. Also setzten wir uns an den Rand einer verkehrsruhigen Kreuzung und lehnten uns an den hohen Bordstein. Heute gab es Brot von gestern mit Honig, den wir noch aus Georien hatten. Wie wir da so saßen und unser Brot in den Honig tunkten, fuhr plötzlich ein Auto um die Ecke und ist uns fast über die Füße gefahren. Das Auto stoppte und eine Frau stieg aus. Sie kam auf uns zu und lud uns ein mit zu kommen. Wir hatten kein festes Ziel für heute und da wir die Leute und die Kultur kennen lernen wollen sind wir mitgekommen. Natürlich mit dem Fahrrad und nicht im Auto. Es war nicht weit und so konnten wir einfach hinter her fahren. Zu uns kamen zwei weitere Autos die wohl auch irgendwie dazu gehörten und so fuhren wir nun in einer Kolonne die Straße herunter. Unten angekommen befanden wir uns in einem Industriegebiet vor einer riesen Halle in der Papier recycelt wird. Aus den Autos stiegen eine ganze Großfamilie, die uns nun durch die Fabrikhalle in eine große Wohnung führte. Alle zusammen saßen wir nun in einem großen Wohnzimmer auf Sofas, Sesseln und dem Boden. Insgesamt waren wir 21 Leute. Eine Mutter, sechs Töchter, drei Ehemänner, sieben Enkelkinder, zwei Freunde und wir. Alle sind gerade vom Meer zurück gekommen und waren etwas durchgefroren und hatten Hunger. Doch als erstes sollten wir etwas bekommen und daran lies sich auch nichts ändern. Vor uns wurde ein kleiner Tisch platziert und wir bekamen Kaffee und haufenweise Obst. Alle anderen schauten uns nun zu wie wir unseren Kaffee tranken und warteten auf ihren Tee. Als der Tee dann fertig war und jeder eine Tasse bekommen hatte, wurde der Zucker herum gereicht und jeder ließ zwei bis drei Zuckerwürfel in seine kleine Teetasse plumsen. Wir saßen nun alle so beisammen und quatschten miteinander bzw quatschten wir nur mit zwei von ihnen, da der Rest leider kein Englisch konnte und tranken Tee. Plötzlich standen alle auf und fingen an zwei Einmaltischdecken auf den Boden zu legen. Nach einander gingen sie in die Küche und kamen mit Tellern, Besteck (im Iran wird alles mit Gabel und Löffel gegessen), Becher, Reisplatten und anderen Leckereien wieder und verteilten es auf den Tischdecken. Wir haben alle gemeinsam, jung und alt, groß und klein im Schneidersitz am Boden gesessen und gegessen. Nachdem alle satt waren wurde gebetet in dem einer etwas sagte und die anderen im Chor etwas antworteten oder so. Es war für uns nicht so ganz verständlich. Jetzt war Zeit für den spaßigen Teil. Erst wurde Trommel gespielt und dazu gesungen. Dann wurde Keyboard gespielt und gesungen. Eine fing an zu tanzen und nach und nach tanzten immer mehr, bis das Wohnzimmer bebte. Ich versuchte auch mein Glück im iranischen Tanz und Arne saß unglücklicherweise neben der Mutter der sechs Töchter (Großmutter). Eigentlich war er ganz zu frieden, einfach da zu sitzen und nicht zu tanzen. Doch die Großmutter war anderer Meinung und fing an, ihn auf Farsi voll zu quatschten und wie Arne mit dem Kopf schüttelte und sich weigerte zu tanzen wurde sie immer lauter und schob ihn auf die Tanzfläche :D Es war ein sehr herzlicher und lustiger Abend. Geschlafen haben alle zusammen auf dem Boden, nur wir beide haben draußen auf dem Balkon geschlafen. Zum Abschied wurde noch ein aller letztes Foto gemacht, nachdem den ganzen Abend lang schon fotografiert und gefilmt wurde, und dann sind alle wieder abgereist.

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