Sonntag, 11. November 2018

Werden wir verhungern?

Nachdem wir die Crazy Russians getroffen haben und wir unser letztes Essen und Wasser mit ihnen geteilt haben hatten wir am nächsten Morgen nur noch zwei Müsliriegel. Wir dachten da kommt schon irgendwo ein kleiner Laden, in dem wir etwas kaufen können. Da hatten wir uns aber geirrt. Die Straße war so neu, dass es noch nichts gab. Bloß eine Tankstelle, die aber keinen Shop hatte. Also radelten wir weiter. Zehn Kilometer und wir bekamen Hunger. Zwanzig Kilometer und wir hatten kein Wasser mehr. Dreißig Kilometer und wir hatten riesen Löcher im Bauch. Vierzig Kilometer und da war immer noch nichts. Wir nahmen einfach die nächste Abfahrt, von denen es nur wenige gab, und hofften, dass wir etwas zu Essen finden. Das erste Haus, was so aussah als ob es dort etwas zu Essen gab steuerten wir an und machten den Leuten dort deutlich, dass wir etwas essen wollen (wir machten nur eine einfache Essbewegung in dem wir unsere Hand zum Mund führten) und dann setzten wir uns an einen Tisch und warteten. Kurze Zeit später brachten sie uns jeweils einen halben Liter Ayran und irgendwelche Fladen gefüllt mit Fleisch. Wir mussten also doch nicht verhungern und trinken konnten wir auch im nächsten Supermarkt kaufen. Da wir wussten, dass wir wieder zurück auf die Autobahn fahren kauften wir von unserem ganzen restlichen Geld Essen ein und machten und gut gewappnet erneut auf den Weg. Einen Schlafplatz an der Straße zu finden wurde unmöglich, da nun nicht mehr nur der Zaun uns einsperrte, sondern auch noch ein Gaben. So mussten wir erneut von der Straße runter um nahe eines Ortes in der Pampa zu zelten. Es war wirklich nicht weit vom Ort entfernt und so kamen zwei Halbstarke und versuchten mit uns zu kommunizieren. Doch keine Chance. Sie zogen wieder von dannen und wir kochten in Ruhe weiter. Ich baute schon mal das Zelt auf und das konnten die Halbstarken wohl sehen und da wurde ihnen wohl klar, dass wir dort draußen schlafen wollten. Scheinbar unvorstellbar für die beiden, also kamen sie erneut und machten uns klar, dass wir doch mitkommen sollten. Wir verstanden nicht so recht warum, da wir den Platz echt gut fanden. Aber um endlich unsere Ruhe zu haben machten wir den beiden den Gefallen und packten unser Zelt wieder ein und kamen mit ihnen. Jetzt kommt der Hammer. Wir dachten sie zeigen uns einen Platz in ihrem Garten, aber sie zeigten uns einen Platz im Dorf, direkt neben den Schienen, unter einem kleinen Dachvorsprung und das Beste daran war, dass der Platz nicht ein kleines Bisschen eben war. Also unzeltbar. Das machten wir ihnen nun deutlich und so zeigten sie uns auf der anderen Seite der Schienen einen ebenen Platz direkt neben einer Mauer eines Grundstücks. Mittlerweile war es dunkel und wir wollten einfach nur ins Zelt und unsere Ruhe haben. Da in diesem kleinen Ort wohl sonst nichts passiert kamen noch mehr dazu und schauten uns beim Zelt aufbauen zu. Alle die uns nicht beim Aufbauen zuschauen konnten kamen später mit ihren Handylampen und betrachten unser Zelt. Die Nacht war dann erstaunlich ruhig, bis morgens der Hahn krähte und das Dorf erwachte. Erst hörten wir erneut die neugierigen Stimmen, dann kamen irgendwelche Schafe an unserem Zelt vorbei und dann noch irgendwelche Kühe. Als es ruhig erschien schlüpften wir schnell aus dem Zelt und packten unsere Sachen. Doch die anderen waren schneller und hatten sich etwas abseits bereits positioniert um uns erneut zuzuschauen. Zu allem Überfluss lag unser Zelt noch in Schaf- und Kuhfäkalien und wir waren direkt an einem Ziehweg. Als wir dann nun in dem Dorfladen unser allerletztes Geld für Wasser ausgaben kamen alle Leute aus ihren Löchern und schauten uns beim Umfüllen der Flaschen zu. Eine nette Dame wollte uns helfen und nahm uns zwei leere Plastikflaschen ab und warf sie einfach in den Graben. Dort warten sie nun darauf, dass sie verbrannt werden. Die letzte unserer Plastikflschen klemmten wir auf unseren Gepäckträger um sie später in den richtigen Müll zu werfen. In diesem Dorf konnten wir sehr gut sehen wie perspektivlos manche Menschen leben. Und wie viele junge Menschen es gibt, die keine Arbeit haben.

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