Freitag, 1. März 2019

Mangofarm

Von Mumbai nach Surat haben wir den Highway genommen. Alle zehn Kilometer kam ein Restaurant mit der Überschrift “Hotel“. Dort konnten wir also unser Mittag essen und für die Nacht brauchten wir uns auch keine Sorgen zu machen. Zelten war in dieser Gegend für uns keine Option, da immer und überall Menschen auftauchten und wir keine Ruhe gehabt hätten. Als es dann langsam Abend wurde fuhren wir an das nächste “Hotel“ ran und fragten nach einem Raum. Die Antwort erstaunte uns, denn nach unserem Verständnis hat ein Hotel auch ein Zimmer zum Übernachten, doch hier gab es keines. Da am Highway alles voll mit “Hotels“ war ließen wir den Kopf nicht hängen, sondern fuhren einfach zum nächsten. Wieder gab es kein Zimmer. Jetzt wurde es langsam knapp für uns, da die Sonne schon tief am Himmel stand (Wir fanden einige Tage später heraus, dass die Inder zu einem Restaurant “Hotel“ sagen, also wäre eine weitere Suche vergebens gewesen). Wir fuhren dennoch weiter, in der Hoffnung, dass das nächste “Hotel“ auch wirklich ein Hotel ist. Wir fuhren mit hängenden Köpfen an der Straße und sind fast in das Auto, was vor uns anhielt, hineingefahren. Ein Mann mittleren Alters stieg aus und schüttelte Arne die Hand. Da ich etwas weiter hinten stand, bekam ich nicht wirklich mit, was die beiden besprachen. Plötzlich hieß es Satteltaschen ins Auto und Fahrräder auf die Pritsche. So ging es dann ruck zuck 30 km auf's Land. Herr Raul ist selbst ein Reisender, nur dass er mit seinem Jeep reist und nicht mit dem Fahrrad. Er ist über den Landweg von Indien bis nach Spanien gefahren und hat uns mit Freuden seine Fotos gezeigt und seine Erfahrungen mitgeteilt. Sein Hobby ist eine Mangofarm auf dem Land. Und dort ging es auch für uns hin. Vorher schauten wir noch bei seinen Freunden vorbei, die ein aus Lehm gebautes Haus, ein paar Tiere und etwas Land hatten. Die Familie zählte zu einem traditionellen indischen Volksstamm (Tribes) und dem entsprechend lebten sie auch sehr einfach. Sie empfingen uns sehr herzlich und da gerade Wochenende war, waren alle drei Kinder, die mittlerweile in der Stadt leben, bei ihren Eltern zu Besuch. Sie zeigten uns ihr Haus von Innen und gaben uns ein Glas mit Dattelpalmensaft. Das Haus war sehr sauber und ordentlich und in dem Wohnzimmer/Hauptraum waren zwei eingebaute Reis/Korn Speicher und in der Ecke stand ein Röhrenfernseher. Der Dattelpalmensaft war bereits zum Alkohol umgekippt und draußen saßen auch schon die ersten Gäste aus dem Dorf um das Feuer und tranken den Alkohol. Die Familie “melkt“ regelmäßig zwei mal am Tag die Dattelpalmen und dazu klettert der Mann jedes mal den Stamm der Palme hinauf. Ehrlich gesagt war der Saft etwas eigen und der Mann lud uns ein am nächsten Tag noch mal vorbei zu kommen, um den frischen Saft am Morgen zu probieren. Denn sobald die Sonne scheint beginnt der Saft durch die Hitze zu fermentieren und die natürliche Süße geht verloren. Unser nächster Stopp war die Mangofarm. In der Mitte der Farm stand ein dreistöckiger Turm. Daraus will Raul ein Gästehaus bauen. Doch bisher ist es eher wie ein Aussichtsturm. Wir saßen oben und haben den Ausblick genossen und wer noch nie eine in Blüte stehende Mangofarm von oben gesehen hat, kann dies unten auf einem der Fotos nachholen (ist nicht so spektakulär :D). Unter dem Turm leben zwei Kühe, die Raul hielt um den Mist zum Düngen seiner Bäume zu verwenden. Ja, die Farm ist 100% biologisch. Wir hatten ein Zimmer mit Bad für uns alleine, wir wurden zum Essen eingeladen und morgens wurden wir mit Tee und Frühstück geweckt. Zum Abschied verschenkten wir an die ganzen Kinder im Dorf noch Bonbons. Noch mal ein großes Dankeschön an Raul aus Mumbai!

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