Donnerstag, 28. März 2019

Udaipur

Die Geschichte, wie wir zu Ehrengästen geworden sind: Wir hatten mal wieder das Glück, von einen Freund den Kontakt zu einem Freund zu bekommen. Dieser wohnt in Udaipur, ist der Chef von einem Fahrradclub, hat ein Fitness Studio und ein Fahrrageschäft. Er organisierte von einem seiner Mitarbeiter eine kleine Flat, die wir ganz für uns alleine hatten und in der wir so lange bleiben konnten wie wir wollten. Wir haben uns sehr schnell eingelebt und uns mit unserer Nachbarschaft vertraut gemacht. Um die Wäsche, die ich mit Hand waschen musste, aufzuhängen, haben wir eine Leine quer durch die Wohnung gezogen und überall hingen nun unsere Sachen. Morgens haben wir uns von dem Milchmann einen halben Liter Milch in eine Plastiktüte abfüllen lassen, um uns dann mit Haferflocken und Obst unser Frühstück zu machen. Mittags sind wir dann immer in ein Restaurant gegangen, in dem sie uns schon kannten und uns fröhlich begrüßten. Einer der Jungs wurde dann losgeschickt um eine Flasche Mineralwasser für uns zu kaufen, da sie normalerweise keine dort hatten. Wofür auch, wenn sonst nur Einheimische kommen, die auch das Leitungswasser trinken. Für jeden von uns gab es dann eine Tali (Platte) mit verschiedenem Gemüse, Dahl, Reis und Rotti (Brot). Und von allem wurde uns stetig nachgefüllt, bis wir drei mal “Nein danke“ gesagt haben :D Mit einem “bis zum nächsten Mal“ verabschiedet wir uns jedes Mal, bevor wir das Restaurant wieder verließen. An unserem ersten Abend wurden wir von dem, der uns die Wohnung organisierte, ich nenne ihn mal unseren Gastgeber, und seiner Familie mit dem Auto abgeholt und zum Essen eingeladen. Zurück zur Wohnung wurden wir von einem anderen Freund direkt vor die Tür gefahren. Das wir irgendetwas alleine organisierten ließ unser Gastgeber nicht zu. Da es viele neugierige Fahrradfahrer in dem Fahrradclub gab, organisierte unser Gastgeber, für alle die Lust hatten, ein Treffen, wo wir gemeinsam Tee tranken und Frühstückten. Eigentlich war ursprünglich noch geplant, dass wir vorher gemeinsam eine kleine Runde Fahrrad fahren, aber die Inder sind da zu bequem und wenn man etwas anderes machen kann, wird es gerne als Ausrede genommen. So sind wir morgens früh aufgestanden und mit dem Fahrrad zehn Kilometer zum Treffpunkt gefahren. Dort haben schon drei neugierige Fahrradfahrer auf uns gewartet und uns gleich mit Fragen überschütteten. Wir sind noch etwa einen Kilometer weiter um einen See gerollt und haben dann gemeinsam Tee aus recyclebaren Wegwerf-Ton-Bechern getrunken. Wir wurden noch auf einen Kaffee am Abend eingeladen und dann mussten sie zur Arbeit und wir konnten wieder ins Bett :D Am Abend wurden wir mal wieder von einem Freund abgeholt und zu dem Fahrradladen von unserem Gastgeber gefahren. Dort wartete bereits der aktive Teil des Fahrradclubs auf uns und empfing und mit einem freudigen Händedruck. Wir wussten noch nicht so richtig was wir hier sollten und liefen etwas verloren in dem Geschäft umher, schauten uns Fahrräder an und quatschten mit den Leuten. Dann hieß es “lasst uns anfangen“. Aber mit was? Arne und ich bekamen einen Stuhl und ein Herr positionierte sich vor einer Leinwand. Auf der Leinwand war das Ausschreiben eines 300 km Radrennens plakatiert. Wir waren in einer Urkundenvergabe gelandet. Jetzt wurde Arne auch schon aufgerufen um die nächste Urkunde zu vergeben und die Teilnehmer bedankten sich bei uns, dass wir gekommen sind um ihnen die Urkunde zu übergeben und es ist ihnen eine Ehre sei uns kennen lernen zu dürfen. Ich kam auch nicht um die Vergabe einer Urkunde vorbei und so standen wir beide händeschüttelnd und lächend vor der Kamera. Anschließend gab es dann das Kaffeetrinken, zu welchem sie uns morgens eingeladen hatten. Es war mittlerweile etwa 20 Uhr, als wir in einem richtigen Café Kaffee aus einer Maschine, ohne Zucker, nicht von Nescafé und mit richtigem Milchschaum tranken. Wir beide genossen es richtig den “herben“ Kaffee auf unserer Zunge zergehen zu lassen. Die Inder hingegen mussten erstmal drei Päckchen Zucker einrühren, sodass der Kaffee süß wie Chai wurde. Wir wurden über alle möglichen Dinge ausgefragt und natürlich bekamen wir auch zwei Sandwiches und nicht, wie die anderen alle, nur einen. Ich muss sagen es kann ziemlich anstrengend sein so viel Aufmerksamkeit zu bekommen und immer im Mittelpunkt zu stehen. Für den nächsten Abend wurden wir zum Essen bei der Familie von unserem Gastgeber eingeladen. Die Mutter ist extra schnell aus ihrem Urlaub zurück gekommen, nur um uns zu treffen und für uns zu kochen. Bevor wir zum Dinner gefahren sind und eine riesige Tali gegessen haben, sind wir noch durch die Stadt geschlendert. Udaipur (Hindi: उदयपुर) ist eine Großstadt mit rund 470.000 Einwohnern und zählt zu den meistbesuchten Städten des indischen Subkontinents. Daher spielt auch der Tourismus die wichtigste Rolle für das Leben der Stadtbewohner. Die Stadt ist umschlossen von unter anderem drei künstlich angelegten Seen. Mehrere Seen befinden sich in Innenstadtnähe — die Fremdenverkehrswerbung spricht daher von einem „Venedig des Ostens“. Die gesamte Altstadt (Foto) von Udaipur mit ihren gewundenen und von Geschäften gesäumten Straßen und Gassen und verschachtelten Häusern strahlt trotz vieler Motorrikschas eine faszinierende Atmosphäre aus, die anderen indischen Städten zumeist fehlt. Überall kann man kleine Malereien an Tempeln und Häusern entdecken (Foto) und durch den Tourismus lassen sich auch deutsche Cafés finden (Foto). Der Lake Palace (Foto) wurde in den Jahren 1743–1746 für Maharana Jagat Singh II., den 62. Maharadscha von Mewar, als Sommerresidenz errichtet. Er ist nach Osten ausgerichtet, damit in der Morgendämmerung der hinduistische Sonnengott Surya angebetet werden kann. Der eine Insel bildende Palast gehört, wie die meisten übrigen Paläste, noch heute der ehemaligen Herrscherfamilie und wird als Luxushotel von der Taj-Gruppe betrieben. Weltberühmt wurde er als Kulisse für zahlreiche Filme, darunter Der Tiger von Eschnapur (1959) oder James Bond 007 – Octopussy (1983). Wir schlenderten also so durch die schöne Altstadt und hatten noch Zeit bis zum Dinner. Da wir aber schon alles gesehen hatten und nicht so recht wussten, wie wir unsere Zeit totschlagen können, schlenderten wir weiter. Ich glaube ich sehe nicht richtig! Plötzlich lief uns ein junges Pärchen entgegen, die wir nicht zum ersten mal gesehen hatten. Ich stutzte und überlegte scharf, ich denke Arne wusste sofort wo wir die beiden getroffen hatten, nämlich auf der Überfahrt nach Dubai. Wir haben gemeinsam die lange Wartezeit vor der Überfahrt, die Nacht auf dem Schiff und die lange Wartezeit nach der Überfahrt verbracht. Und so wie es aussieht haben wir die gleiche Route gewählt und sind jetzt alle in Indien am selben Ort. Nach einem gemeinsamen Chai und der Überlegung uns in der nächsten Stadt (Jaipur) erneut zu treffen war es nun für uns an der Zeit zum Dinner zu fahren. Die Mutter und die Frau unseres Gastgebers hatten für uns drei verschiedene Gerichte gekocht, die alle auf der Tali ihren Platz fanden. Die Inder nutzen dafür große Teller aus Edelstahl, die verschieden große Unterteilungen haben, sodass sich das Essen nicht vermischt und sie gut sehen können, wenn etwas alle ist, und sie es wunderbar wieder auffüllen können. Wie zwei Kugeln rollten wir nach dem Dinner wieder in unsere Flat. Jetzt war es für uns an der Zeit weiter zu fahren, bevor wir zu schwer für unsere Räder werden :D.

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