Samstag, 2. März 2019
Zelten in Indien
Mittlerweile sind wir nicht mehr im Speckgürtel von Mumbai unterwegs und so lässt sich auch hin und wieder ein Platz zum Zelten finden. Wenn wir nicht gerade von der Straße eingesammelt werden oder einen Gastgeber über Warmshowers oder Couchsurfing oder einen Freund von einem Freund von einem Freund haben, bei dem wir übernachten, schlafen wir gerne auch mal in unseren eigenen vier Wänden, dem Zelt.
Nudeln mit Tomatensauce im Supermarkt zu finden ist hier unmöglich. Erstens gibt es keine richtigen Supermärkte, zweitens essen die Inder keine Pasta und drittens machen die Inder alles selber und frisch und somit brauchen sie keine Tomaten in der Dose.
Wir bestellen uns daher gegen Abend immer ein Reisgericht und lassen es uns einpacken, sodass wir es dann im Zelt essen können. Die Reisgerichte hier sind immer sehr lecker! Es gibt scharfe Reisgerichte, süße mit Rosinen, welche mit Gemüse, welche mit Nüssen und vieles mehr. Langweilig wird es nie.
Jetzt kommt der spannendsten Teil des Tages: ein ruhiges Plätzchen für die Nacht finden.
Bis jetzt haben wir vier mal gezeltet und nur ein Mal davon haben wir es geschafft nicht gestört zu werden. Jedes mal hatten wir einen traumhaften Platz und jedes mal wirkte er auf den ersten Blick sehr ruhig. Doch sobald die Sonne unter ging, kamen die Überraschung.
Das erste mal stand plötzlich der Bauer vor uns und meinte, dass dies seine Felder sind. Wir fragten ihn also, ob wir hier für eine Nacht bleiben können und er war einverstanden. Also war alles geklärt, wir wünschten ihm einen guten Abend und verabschiedeten uns. Doch der Bauer wollte noch ein bisschen schauen und stand nun mit seinem Motorrad vor uns und schaute uns an. Klar, wie konnten wir nur die Selfies vergessen. Klick, klick, klick noch ein paar Selfies und dann fuhr er auch weg.
Keine fünf Minuten später stand das nächste Motorrad vor uns und die nächsten schauten uns beim Zeltaufbauen zu. Und wieder klick, klick, klick ein paar Selfies.
Wir wollten nur noch so schnell wie möglich ins Zelt um unsere Ruhe zu haben. Doch das klappt nicht immer. Die Menschen hier in Indien laufen überall lang und kommen aus allen Richtungen wenn der Arbeitstag vorbei ist und wo die Menschen lang gehen können, können auch die Motorräder lang fahren. Also können sie auch da lang fahren, wo wir zelten. Der Unterschied zwischen einem gehenden Menschen und einem fahrenden Motorrad ist, dass es Lärm macht und hell leuchtet wenn es dunkel ist.
Einmal lagen wir schon einige Zeit im Zelt und waren schon fast eingeschlummert, da hörten wir plötzlich Motorengeräusche. Kurz darauf leuchteten die Lampen in unser Zelt und eine keine Menschentraube hatte sich vor unserem Zelt versammelt. Jetzt mussten wir wohl irgendetwas machen und ich öffnete das Zelt. Alle leuchteten gespannt mit irgendwelchen Taschenlampen und Handys auf das sich öffnende Zelt und ich wurde so sehr geblendet, dass ich kaum etwas erkennen konnte.
Ich versuchte den Menschen zu erklären, dass wir hier gerne für eine Nacht schlafen würden und dass wir nichts weiter bräuchten. Doch bevor sie uns in Ruhe ließen, luden sie uns noch zu sich ein und ließen so schnell auch nicht locker.
Für sie war es unverständlich, warum wir freiwillig draußen im wilden übernachten wollen. Wie überall wird uns auch hier erzählt, dass es doch viel zu gefährlich ist.
Die Motorengeräusche entfernen sich und wir konnten endlich durchatmen und uns wieder unserer Nachtruhe widmen.
“Bitte nicht schon wieder!“ dachte ich, als ich erneut ein Motorengeräusch hörte. Diesmal war es an Arne vorne an die Zeltöffnung zu gehen und sich blendend zu lassen. Die zwei Herren boten uns ein Zimmer und Essen an und alles umsonst, nur damit wir nicht hier draußen schlafen müssen. Es tat uns schon fast Leid, diese ganzen lieb gemeinten Einladungen ausschlagen zu müssen, doch dass wir nicht einfach mal so im Dunkeln unsere Zelte abbrechen können, nur um 500 Meter weiter zu fahren verstanden sie nicht (und ausserdem wollten wir doch einfach nur unsere RUHE haben).
Bis auf ein nächtlicher Schäfer, der seine Tiere mit wiederholendem Rufen an unserem Zelt vorbei trieb, hatten wir dann endlich auch eine ruhige Nacht.
Wenn es nach Sonnenaufgang an das Einpacken des Zeltes geht, stehen immer schon die ersten Zuschauer bereit, die jede unserer verschlafenen Bewegungen gespannt verfolgen. Dafür haben wir dann aber auch ein Verabschiedungskomitee, welches uns bei unserer “Abreise“ einen schönen Tag wünscht und uns eifrig zuwinkt. Hin und wieder müssen wir noch die Hände schütteln und ein klick, klick, klick, Selfie schießen und dann kann es aber auch wirklich los gehen (zumindest bis uns der nächste um ein klick, klick, klick bittet).
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