Montag, 3. Juni 2019
36 Grad und es wird noch heißer..
Wir sind die letzten 60 km in Indien mit dem Truck gefahren. Unser Gastgeber hatte uns vor der Straße zur Grenze gewarnt und uns eine Mitfahrgelegenheit organisiert. Er hat uns nicht etwa vor Überfällen oder Sonstigem gewarnt, nein, nur vor dem Zustand der Straße. Eigentlich schrecken wir vor nichts und keinem Weg zurück, aber diesmal war es eine gute Entscheidung nicht mit dem Rad zu fahren. Wir haben die Räder hinten im Container des Trucks festgezurrt und uns nach vorne zum Fahrer gesetzt. Rausschauen konnten wir nicht wirklich, da das Sichtfenster so klein und niedrig war und wir mal wieder viel zu groß waren für die indischen Standards. Uns blieb lediglich ein kleiner Blick auf die Straße. Ich weiss nicht ob man das überhaupt noch Straße nennen darf, was da vor uns lag, es war wohl eher ein Schotterweg. Unbefestigter, aufgerissener Asfalt, Steine, Sand, Felsbrocken, Staub und Stau. Die Straße war streckenweise voll mit Geröll vom Berghang verdeckt. Ein Bagger mit einem Presslufthammer vorne dran, kloppte immer mehr Felsbrocken ab um so die Straße zu verbreitern aber auch zu versperren. Der zweite Bagger schob die ganzen Steine den Abgang hinunter, sodass die Vehikel hin und wieder auf einer schmalen Spur hindurch konnten. Dann galt: der bergauf fahrende Verkehr hat Vorfahrt und der bergab fahrende Verkehr muss zurück stecken. Wir fuhren gerade auf einem schmalen Stück am Berghang entlang, eine Kurve versperrte uns die Sicht auf den bergauffahrenden Verkehr, also fuhren wir auf gut Glück um die Ecke. Auf dem letzten schmalen Stück kam uns ein Truck entgegen, der uns gut sehen konnte und der auf seinem Stück eine kleine Ausbuchtung hatte, in der er warten und uns vorbei lassen konnte. Das war der einzig logische Weg. Der Truckfahrer entschied sich aber auf sein Vorfahrtsrecht zu bestehen und fuhr geradewegs in das schmale Stückchen hinein. Einen Meter vor uns kam er zum stehen und schaute uns fordernd an, warum wir nicht endlich aus dem Weg fahren. Doch wohin bitteschön!? Klar, was für eine dumme Frage von mir. Rechts von uns waren ja noch ein paar Steinbrocken, die vor dem Abhang lagen, auf die man ausweichen konnte. Also Rückwärtsgang rein und rauf auf die Steine. Ein bisschen hin und hergerutsche bringt uns schon nicht den Abhang hinab und unser Fahrer schien in Millimeterarbeit schon geübt zu sein. Immer wieder mussten wir auf dem Weg vor den ganzen Staubwolken schnell das Fenster schließen. Für einige Sekunden verschwand der Truck dann im Staubnebel und kurz vor uns tauchten die anderen Fahrzeuge aus dem Nebel auf. Eines knapper als des Andere. Die Nase war mit Sand verklebt und zwischen den Zähnen knirschte es. Ich habe jedes Mal erleichtert aufgeatmet, wenn uns eine dieser Staubwolken wieder frei ließ. Doch so richtig durchatmen konnte ich erst, als wir heile in der Stadt unten angekommen sind. Insgesamt haben wir 1600 Höhenmeter verloren und wer in der Schule aufgepasst hat weiss, dass mit 100 Höhenmetern die Temperatur um einen Grad sinkt bzw. steigt. Wir stiegen aus dem Truck und uns schlug die Hitze wie ein Faustschlag ins Gesicht. BUUM. Ehe wir uns versahen waren die Fahrräder ausgeladen und wir standen beide dort am Straßenrand neben unseren Rädern. Alles war völlig eingestaubt, die Räder unsere Klamotten, die Haare und die Haut. Langsam pappte der Staub am ganzen Körper fest und tropfte langsam mit den ersten Schweißperlen auf den Boden. Es war uns egal wo wir genau hin mussten, Hauptsache los und den Fahrtwind nutzen, um bei der Hitze einigermaßen klar zu kommen. Der Wetterbericht für die nächsten Tage: 36 Grad und es wird noch heißer. Wunderbar und dann dazu noch Fahrrad fahren. Schließlich hatten wir bis zu 43 Grad und wenn es mal “nur“ 38 Grad waren haben wir uns schon richtig gefreut. Wir haben aufgehört im Zelt zu schlafen und uns für den Nachmittag und die Nacht ein Zimmer mit einem Ventilator gesucht, um wenigstens ein bisschen klar zu kommen. Dennoch liefen einem die Schweißperlen vom Gesicht ins Kissen und am nächsten Morgen war alles klitschnass. Damit wir bei dem Wetter wenigstens etwas Fahrrad fahren konnten ohne gleich an einem Hitzeschlag zu sterben, sind wir morgens um fünf Uhr früh aufgestanden und los geradelt. Alle zwanzig Kilometer haben wir angehalten und einen Liter Wasser getrunken und die Flaschen aufgefüllt. An einem Tag hat jeder von uns bestimmt fünf Liter getrunken, aber auf's Klo musste davon keiner. Mittags hatten wir dann meist unser Tagesziel schon erreicht und konnten uns unter den Ventilator legen. Als es dann langsam in die Berge hoch nach Kathmandu ging wurde es schon wieder etwas besser und außerdem haben wir uns an dass Klima gewöhnt. Mittlerweile ist es auch nicht mehr ganz so heiss, also nur noch 32 Grad. Doch dazu kommt so langsam die Regenzeit und die Luftfeuchtigkeit steigt stetig. Das mit dem Duschen und Waschen habe ich schon fast ganz aufgegeben :D
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