Sonntag, 9. Juni 2019
Nationalpark
Bis zum Jahre 1988, wo das 968 km² große Gebiet den Status eines Nationalparks erhielt, wurde in dieser Gegend gewildert. Tiger wurden wegen ihrer Fälle gejagt und es kam immer wieder zu tödlichen Zusammentreffen von wilden Tieren und den Dorfbewohnern. Heute ist der Bardia-Nationalpark streng überwacht und geschützt und seine Pflanzenvielfalt umfasst 839 Arten. Des weiteren beherbergt der Nationalpark Populationen seltener Wildtiere wie Bengaltiger, Barasingha-Hirsche, Asiatische Elefanten, Hirschziegenantilopen, Ganges-Gaviale, Sumpfkrokodile, Gangesdelfine und Panzernashörner. Weitere Großtierarten sind Leopard, Wildschwein, Muntjak, Schweinshirsch, Axishirsch und Nilgauantilope. Zu den seltenen Vogelarten des Parks zählen Saruskranich, Flaggentrappe und Barttrappe. Insgesamt kommen im Nationalpark über 30 Säugetier- und über 230 Vogelarten vor. Dazu kommen verschiedene Arten von Schlangen, Echsen und Fischen. Wir wurden schon gleich an der Grenze von Indien nach Westnepal von Prem abgefangen und zu seinem Haus eingeladen. Er ist klein, trägt eine Brille und scheint sich sehr für sein neues Hobby einzusetzen. Seit einigen Monaten beherbergt er nämlich Gäste auf seinem kleinen Hof nahe dem Bardia-Nationalpark. Und wenn die Gäste es wünschen, begleitet er sie als Privatführer durch den Nationalpark auf der Suche nach dem Tiger und anderen wilden Tieren. Bevor er dieses kleine Business startete, hat er in einem Restaurant ausgeholfen, mal hier und mal da gearbeitet und viel zu wenig Zeit für die Familie und den Hof gehabt. Dank seiner Lizenz als Guide kann er jetzt kleine Touristengruppen durch den Nationalpark führen und so sein Hobby mit der Arbeit verbinden. Uns kam seine Einladung sehr gelegen, da uns die Hitze sehr zu schaffen gemacht hat und wir so eine Nacht in einem Raum mit Ventilator verbringen konnten und nicht im stickigen Zelt. Nach dem wir den Entschluss gefasst haben uns gemeinsam mit Prem auf die Suche nach dem Tiger zu machen wurde es ernst. Morgens um 5.30 Uhr wurden Lunchboxen hergerichtet, literweise Wasser wurde in die Rucksäcke gefüllt und uns wurde ein gutes Frühstück vorgesetzt. 30 Minuten später standen wir den Rucksack geschultert bereit zum Aufbruch, als Prem zu uns stieß. Er war ganz in olivgrün gekleidet, trug ein Fernglas um den Hals und einen Stock unter dem Arm. “Meine Waffe gegen die wilden Tiere“ erklärte er uns und wir machten uns auf den Weg. Wir eilten schmale Wege entlang, um die besten Plätze abzuklappern, wo der Tiger morgens zum Trinken hinkommt. Also vielleicht hinkommt. Naja, also ein großes Vielleicht. Aber wir haben uns an jedem dieser Plätze hingehockt und gewartet, gewartet, gewartet und gewartet. Bis Prem seinen Rucksack wieder schulterte und es Zeit war zum nächsten Spot zu eilen. Wir haben einige andere Menschen getroffen, die auch irgendwo hinter Büschen und hohen Gräsern hockten. Hin und wieder mussten wir durch einen Fluss waten, der voll mit glitschigen Steinen war und von Krokodilen bewohnt wurde. Überall waren die riesigen Haufen von den Nashörnern neben und auf den Wegen zu entdecken und im Sand konnte man deutlich die Tigertatzen erkennen. Prem stoppte und zeigte mit seinem Stock auf eine freigekratzte Stelle im Gras. “Das ist die Markierung vom Tiger, die er auf seinem Weg setzt, um sein Revier zu markieren. Und diese hier ist frisch.“ Wir waren also dem Tiger auf der Spur. Dann erreichten wir einen Spot, an dem wir in Stellung gingen und wachsam die grasenden Hirsche mit ihren Rehen beobachteten. Denn wenn sie unruhig werden, kann das ein Zeichen für das Eintreffen des Tigers sein. Es regte sich jedoch nichts. Die Rehe kamen und gingen mit ihren Rehkitzen und wir saßen regungslos hinter den Büschen. Langsam fing alles an vor den Augen zu verschwimmen, die Mittagshitze trieb einem die Schweißperlen auf die Stirn und der Margen fing laut an zu knurren. Ein deutlich ungünstiger Zeitpunkt, da wir doch absolute Stille benötigten, um die sehr geringe Chance, den Tiger zu sehen, nicht völlig zu zerstören.
Leise kruschtelte Prem in seinem Rucksack herum und kramte drei Lunchboxen hervor. Glücklich über den Reis haben wir uns über das Essen her gemacht. Mit vollem Magen lässt es sich gleich viel besser gucken und so habe ich auch gleich einen großen Stein in der Ferne entdeckt. Ich bin aber auch nur auf diesen “Stein“ aufmerksam geworden, da er irgendwie nicht so richtig dort hinpasst. Ich kniff die Augen zusammen und lehnte mich automatisch nach vorne, in der Hoffnung besser sehen zu können, aber auf diese Distanz brachte es herzlich wenig. Trotzdem saß ich nun dort und verharrte in dieser Position ganz auf den “Stein“ konzentriert. Jetzt bewegte sich der “Stein“ auch noch. Ich kniff die Augen noch weiter zusammen und sagte mir, dass das nicht sein könnte. Oder? Vorsichtig fragte ich Arne ob er auch den “Stein“ sieht. Der konnte aber nichts erkennen. Habe ich mir das alles also nur eingebildet? Nein, denn der “Stein“ bewegte sich wieder, diesmal deutlicher als zuvor. Aufgeregt schüttelte ich Arne an seinem Arm, sodass er erschrocken von seinem Handy aufschaute. Jetzt sahen wir es beide ganz deutlich: ein Nashorn. Es lief langsam von der Uferböschung hinunter zum Fluss. Wartete in die Mitte des Flusses und legte sich ins Wasser. Da war es nun und kühlte sich, stand hin und wieder auf, drehte sich um 180 Grad und lies sich wieder ins Wasser gleiten. Es sah aus wie ein Schiff, nicht wie ein Kanu, Nein, es war viel größer und beeindruckender. Ich habe ein Foto für Euch gemacht, vielleicht könnt ihr es ja entdecken ;) es ist auf dem letzten Foto zu sehen. Wir sind noch etwas weiter durch den Nationalpark geirrt, haben noch ein zweites Nashorn aus der Ferne beobachtet und waren irgendwann so kaputt, dass wir nur noch nach Hause wollten. Die Beine schmerzten und in den Schuhen bildeten sich Blasen. Wie sehr wir uns in diesem Moment nach unseren Fahrrädern gesehnt haben! Den nächsten Tag haben wir mit Muskelkarter bei Prem verbracht. Wir wurden reichlich von der Familie mit lokalem Essen bekocht und wir haben in einem seiner traditionellen Häuschen geschlafen, wo die Wände mit Kuhdung bestrichen wurden. Es roch jedoch nicht, sah aus wie Lehm und soll antiseptisch sein. Um uns abzukühlen sind wir nachmittags in den nahegelegenen Fluss gegangen und haben uns treiben lassen. Als wir gerade ans Flussufer stiegen, kam Prem und erzählte uns von einem Krokodil, welches im letzten Jahr hier an dieser Stelle ein Ferkel gefressen hat. Uns blieb der Mund offen stehen und ich zog schnell mein Bein aus dem Wasser. “Dieses Jahr gibt es aber keine Krokodile in diesem Fluss.“ sagte er ruhig. Was uns aber nicht wirklich beruhigte :D Die Vorstellung, dass so viele gefährliche wilde Tiere um uns herum leben, war völlig neu für uns. Im Zelt haben wir seit dem aber trotzdem noch geschlafen :D
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