Montag, 22. April 2019

Das erste seriöse Fahrradproblem

Um der Einladung zur Hochzeit nachzukommen sind wir für zwei Tage noch mal 60 Kilometer zurück gefahren. Eine Tasche, die Arne “geschleppt“ hat, war alles was wir dabei hatten. Reifenflickzeug, Luftpumpe und Wasser ist eh immer am Rad. Wir hatten Gegenwind und sind die ganze Strecke an einem Stück gefahren. Gerade haben wir uns das letzte Stück durch die Stadt schlängelt. Hin und wieder wurden wir von den schlechten Straßenverhältnissen ausgebremst und ab und zu mussten wir den Motorräder ausweichen, die um die Ecke geschossen kamen. Denn wenn sie die kreuzende Straße nicht einsehen können, hupen sie einfach und fahren ungestört weiter. Wir sind leider so leise, dass uns keiner kommen hört und somit sind wir auch diejenigen, die jedes Mal den kürzeren ziehen und anhalten oder ausweichen müssen. Auf einmal musste ich aber Arne und seinem Rad ausweichen. Er hielt einfach so an und schaute nach unten auf seine Reifen. Das dachte ich zumindest und schaute auch auf seine Reifen, konnte aber keinen Platten entdecken. Gott sei dank dachte ich und in dem Moment sagte Arne auch schon: “Mein Schaltzug ist gerissen!“ Hier hatten wir nun unser erstes seriöses Problem. Nach neun Monaten und 12000 km. Und ausgerechnet heute hatten wir kein Werkzeug dabei :D wir sind also die letzten zwei Kilometer zu unseren Gastgebern gefahren und haben erstmal Tee getrunken. Am Tag der Hochzeit waren alle froh, dass sie sich vormittags mit anderen Problem herumschlagen können als mit der eintreffenden Verwandtschaft und so halfen sie uns gerne mit unserem Fahrradproblem. Erst ging es mit dem Auto quer durch die Stadt. Ich saß hinten mit geschlossenen Augen und musste mich nach der “wilden“ Fahrt erstmal hinlegen, da ich und mein Körper das Autofahren überhaupt nicht mehr gewöhnt waren. Doch die Fahrt war immer hin erfolgreich und wir hatten ein passendes Schaltkabel bekommen. Eventuell hätten sie in dem Fahrradladen auch alles reparieren können, doch wir wollten keinen anderen an das Fahrrad ran lassen. Denn die Inder können zwar alles irgendwie reparieren, doch ist es eher wie im Mittelalter. Zack, zack und die Schraube ist draußen und einmal kräftig mit dem Hammer und alles sitzt wieder. Unsere Gastgeber hatten leider kein entsprechendes Werkzeug für unser Problem und so waren wir im ersten Moment etwas ratlos. Für die Inder lohnt es sich auch nicht für alle Situationen vorbereitet zu sein, da alle für jedes Problem immer einen Freund haben. Und dann gibt es auch noch immer und überall kleine Shops und Werkstätten, wo man alles bekommt bzw. reparieren lassen kann. Doch man bekommt nicht in einem Shop alles, sondern in jedem Shop ein bestimmtes Teil. Also muss man, auch beim täglichen Einkauf, für jedes Teil an einen anderen Ort. Das man einfach in einen großen Supermarkt fährt und alles in einem Rutsch besorgen kann, gibt es hier nicht. Wir saßen gerade vor der Schaltbox und schauten welches Werkzeug wir brauchten um sie zu öffnen, da kam von oben eine Hand mit einer kleinen Werkzeugtasche. Wir schauen auf und direkt in das Gesicht eines Mannes, der uns fremd war. Daneben stand grinsend unser Gastgeber und sagte: “das ist ein Freund aus der Nachbarschaft“. Wir waren überaus glücklich und versuchten sofort das passende Werkzeug zu finden, doch es war nicht dabei. Enttäuscht schüttelten wir mit den Köpfen. Doch wir vergaßen dabei ganz dass wir in Indien sind und es hier für alles eine Lösung gibt. Dieser Nachbar hatte nämlich noch mehr Werkzeug zu Hause und so konnten wir mit ihm mitfahren und unter seinem Vordach in Ruhe und dank YouTube die Gangschaltung wieder reparieren. Wir waren glücklich, dass es dann doch so gut geklappt hat und das wir es ganz alleine geschafft haben. Darauf tranken wir erstmal mit dem Nachbarn einen teuren Gano Kaffee. Natürlich konnte er es nicht dabei belassen und wir bekamen erst noch Früchte, Kekse und Snacks und später noch ein ganzes Mittagessen. Wir verabschiedet uns mit einem “bis morgen früh zum Frühstück“ und machten uns auf den Weg zurück zu unseren Gastgebern. Dort waren mittlerweile eine Menge mehr Gäste eingetroffen und die Hochzeit konnte beginnen. Wie die Hochzeit war und viele weitere Details berichte ich Euch im nächsten Eintrag.

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