Mittwoch, 31. Juli 2019

Das Land der goldenen Spitzen

Überall, wirklich überall sind in Myanmar goldene Spitzen zu sehen. Kleine, große und riesige. Eine einzelne, einige zusammen und viele auf einmal. Alte, neue und welche die gerade noch im Aufbau sind. Am Anfang haben wir uns noch über jede dieser goldenen Spitzen gefreut, die neben, hinter und vor uns aufgetaucht ist. Irgendwann haben wir nur noch über diese Überflutung von goldenen Spitzen gelächelt, bis wir sie dann irgendwann gar nicht mehr wahrgenommen haben. Diese turmartigen, markanten Bauwerke werden Pagoden genannt und sie dienten ursprünglich dazu, die Sarira (Gebeine) von Siddhartha Gautama aufzubewahren, damit die Gläubigen dort den Buddha verehren konnten. Später wurden auch die sterblichen Überreste bedeutender Mönche in Pagoden aufbewahrt. Im Buddhismus spielen visuelle Elemente eine wichtige Rolle für die Verbreitung der religiösen Lehre. Auch wurden anfangs zur Verbreitung des buddhistischen Glaubens die Pagoden mit Schnitzereien und Gravuren verziert, wobei die Schnitzereien natürlich auch eine Dekoration darstellten. Eine Pagode besteht aus vier Teilen. Dem Erdpalast, in dem die Überreste beherbergt wurden und werden. Wir waren auch an einem Ort, wo sich noch in solch einer Pagode die Haare eines bedeutenden Mönchs befanden. Über dem Erdpalast befindet sich ein Sockel, der die Basis der Pagode bildet und das Zentrum der buddhistischen Welt symbolisiert. Über dem Sockel befindet sich der Pagodekörper, der Haupt- und auch bekannteste Teil einer Pagode. Dies sind all die goldenen Spitzen die weit über das ganze Land zu sehen sind und den Buddha symbolisieren. Die Spitze einer Pagode soll das Himmelreich des Buddhas symbolisieren. Deswegen muss jede Pagode eine Spitze haben, egal in welchem Baustil sie gebaut wurde. Die vielen kleinen Glöckchen, die an der Spitze und oft auch an anderen Punkten der Pagode befestigt sind, sind dafür da, um das Bauwerk vor den Vögeln zu schützen. Wir konnten sie auf der Straße oft im Wind bimmeln höheren. Pagoden befinden sich oft in Klöstern und waren somit für uns ein Zeichen für einen möglichen Schlafplatz. Die Klöster waren meist reich verziert und für unser Auge sehr kitschig. Ein ganz wichtiges Element der buddhistischen Kunst sind Buddhastatuen und so waren auch diese an solchen Orten im Überfluss aufgestellt. Klein, groß und riesig. Einzelne, mehrere oder tausende. Wir sind an einer 77m großen Buddhastatue vorbei gefahren. Es wird gesagt, dass das Errichten einer Pagode Glück bringt und das es das Böse verbannt. Daher gibt es auch so unglaublich viele. Und sie sind alle durch Spenden finanziert. Entweder hat eine einzelne Person genügend Geld zu Errichtung einer Pagode oder die Gemeinde sammelt Spenden. Dazu stellen sie sich mit großen Schüsseln rechts und links an die Straße, klimpern mit dem Geld, machen laute Musik an und stellen ganz viele Fahnen auf. Wir sind jedes Mal winkend an ihnen vorbei gefahren und es hat sich ein bisschen wie bei einem Wettkampf angefühlt, wo die Menschen reihenweise an der Seite stehen und dich anfeuern.

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