Samstag, 20. Juli 2019

Fortsetzung

Nachdem wir also einige Kilometer gefahren sind, um aus der Reichweite der Polizei zu entkommen, haben wir insgeheim schon wieder nach einem alternativen Schlafplatz Ausschau gehalten. Wir hatten uns darauf geeinigt, dass wir eigentlich nicht in das Hotel wollten, welches eh nicht auf unserem Weg lag. Doch auf dem Weg, den wir fahren wollten, gab es in den nächsten Kilometern kein Hotel. Wir hatten uns eigentlich auch gesagt, dass wir keine Einheimischen fragen wollen, da wir keinen in Schwierigkeiten bringen wollen. Doch irgendwo mussten wir ja schlafen und so kam es, dass Arne mich auf eine Kirche aufmerksam machte und ich dachte, er denkt auch, dass dies ein guter Platz wäre. Ich habe also kurzerhand angehalten und die Familie, die scheinbar zur Kirche gehörte gefragt, ob wir für die Nacht bleiben könnten. Später stellte ich heraus, das Arne mir die Kirche nur zeigen wollte und gar nicht die gleichen Hintergedanken hatte wie ich. Doch es war zu spät, wir hatten schon schleunigst unsere Räder hinter das Haus geschoben, damit sie von der Straße aus nicht zu sehen sind und saßen nun auf der Terrasse versteckt hinter der Wäsche, die noch über der Leine hing. Der Mann ist direkt nach unserer Ankunft weggelaufen, um offensichtlich etwas zu erledigen. “Bitte hol nicht die Polizei“, beteten wir. Und genau in dem Moment entdeckten wir auf der Wäscheleine einige Klamotten in den Farben des Militärs und wir ahnten das Schlimmste, nämlich das wir direkt in die Arme eines Gesetzesvertreters gelaufen sind. Natürlich war zu unserem Glück auch noch ein Gruppenübungsplatz direkt gegenüber des Hauses. Ein Motorrad auf der Straße wurde langsamer und bog auf den Hof ab. Drei Menschen stiegen ab und kamen auf uns zu. Eine schwangere Frau, ihre Freundin und ein Kind. Sie sahen ganz und gar nicht aus wie die Polizei. Wir atmeten erleichtert auf und da kam auch schon unser Gastgeber angerannt. Er hatte nur seine Nachbarin zur Hilfe geholt, da sie ein paar Sätze Englisch konnte und er wollte uns fragen, ob wir auch Abendessen möchten und ob wir Vegetarier sind. Er schnitt uns zwei Mangos auf und zeigte uns einen Klassenraum in einem Holzhaus auf Stelzen (typisches Haus in Myanmar in wasserreichen Gegenden). Schließlich saßen wir im Dunkeln am kniehohen Tisch und haben gemeinsam mit der Familie (Vater, Mutter und Sohn) zu Abend gegessen. Es war dunkel, so wie in der ganzen Kleinstadt, da es gar kein Strom gab. Jeder konnte mit einer Batterie zu einer Ladestation fahren und sie gegen Geld aufladen, aber das Geld fällt ja nicht vom Himmel. Wir waren froh über die Dunkelheit, da wir so nicht entdeckt werden konnten. Und außerdem ist der Sternenhimmel umwerfend gewesen. Morgens sind wir extra früh aufgestanden, um möglichst noch vor den Soldaten auf den Beinen zu sein, doch als wir aus dem Fenster schauten liefen sie bereits schon in großen Gruppen über den Trainingsplatz. Zu unserer Erleichterung waren sie allerdings damit beschäftigt über Baumstämme zu klettern und an Seilen zu hängen und somit hatten sie keine Augen für uns. Unser Gastgeber angelte für uns noch ein paar frische Mangos vom Baum und vier kleine Enkelkinder wuselten um uns herum. Mangos müssen vorsichtig vom Baum gepflückt werden, denn wenn sie herunter fallen platzen sie auf und sind matschig und ungenießbar. Eine Mango hing so blöd, dass Arne mit seiner Größe aushelfen musste und so kam es, dass Arne seine erste Mango pflückte, indem er sie mit einem langen Stab herunter stieß und elegant mit der anderen Hand auffing.

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