Donnerstag, 4. Juli 2019

Friseurbesuche

Schon seit der Türkei gibt es für Frauen und Männer getrennte Friseursalons. Für die Männer sieht man sie überall, offen, gut besucht und an jeder Ecke. Wenn man als Frau zu einem Friseur möchte, muss man schon ganz genau hinschauen, denn die Räumlichkeiten sind gut versteckt, oft im Hinterhof oder im privaten Haus, verhängt, mit geschlossen Türen und einzig und allein mit einem Schild versehen, was darauf aufmerksam macht, dass sich dort ein Salon befindet. Am Anfang der Tour habe ich noch meine Haare selbst rasiert und Arne seinen Bart. Die Haare von Arne habe ich anfangs auch noch selbst geschnitten, doch dann wurde ein Friseurbesuch immer günstiger und es hat sich nicht mehr gelohnt es selbst zu machen. In Deutschland kostet ein Friseurbesuch etwa 20 Euro. In Indien kostet ein Friseurbesuch für uns beide, etwa 1 Euro/1,50 Euro. Das erste Mal, als ich zu einem Friseur gehen wollte, habe ich unseren Gastgeber gefragt, zu welchem Friseur ich denn gehen soll. Zum Frauen- oder Männersalon? Er war selbst etwas ratlos und wir entschieden uns dann für den Männersalon, da die gewiss schon öfter so kurze Haare geschnitten haben und die angemessenen Maschinen dafür haben. Bei den Frauen werden die Haare nur so kurz rasiert, wenn die Frau eine große Schande begangen hat und das Haarerasieren geschieht dann meist in der Familie. Wenn wir nun einmal im Monat gemeinsam zum Friseur gehen, läuft es meistens wie folgt ab. Zuerst versuchen wir unser Anliegen klar zu machen. Nämlich, dass wir BEIDE gerne unsere Haare bzw. Bart schneiden lassen wollen. Arne bekommt dann auch immer sehr schnell einen Stuhl zugewiesen und einer der Friseure macht sich ans Werk. Ich stehen dann immer noch einige Sekunden lang planlos im Raum und warte, bis auch ich einen Platz zugewiesen bekomme. Ich sage dann noch einmal zu dem zweiten Friseur, dass auch ich gerne meine Haare schneiden lassen würde und dann folgen einige Sekunden der Irritation. Ich weiß nicht mehr wie ich ihm klar machen soll, dass er meine Haare auch schneiden soll und der Friseur schaut mich einfach nur an und versucht noch irgendeinen Ausweg zu finden. Bei Arne fallen schon eifrig die Locken, während ich immer noch im Raum herum stehe. Endlich schaffe auch ich es mich auf einen Stuhl zu setzen. Und der Friseur fängt zögerlich an sich ans Werk zu machen. Erster Schritt: Umhang umlegen, dass macht der Friseur am liebsten, denn da weiß er was er machen muss. Zweiter Schritt: Haare schneiden. Dass macht er meistens nicht mehr so gerne, da er nicht weiß wie er das machen soll. Er fängt dann zögerlich an seitlich etwas wegzunehmen. Fragt mich, ob dass so gut ist und ich ermutige ihn nicht so zögerlich zu sein und noch ein gutes Stück wegzunehmen. Nach ein paar Minuten habe ich dann an den Seiten kurze Haare und oben noch längere. Ob es so gut ist werde ich dann gefragt. Ich ziehe an meinen Haaren und sage, dass sie oben noch länger sind als an der Seite und so fängt der Friseur erneut an zögerlich die Haare zu schneiden. Meist muss ich ihn noch ein paar Mal ermutigen noch mehr wegzunehmen. Der dritte Schritt ist: Die Rasur. Mit einem scharfen Rasiermesser, werden dann die Kanten glatt gemacht und ich bin überaus glücklich meine kurzen Haare wieder zu haben. Die Frisur sitzt jedes Mal sehr gut und ich bedanke mich bei dem Friseur, der sich erleichtert freut, alles richtig gemacht zu haben. Arne ist jedes Mal schon fertig und wartet darauf, dass wir das obligatorische Selfie machen und dann endlich nach Hause können. Keiner der Friseure hat je einer Frau den Kopf rasiert und einem 2,01m großem Kerl die Locken und den Bart geschnitten und so wollen sie daher für ihre Instagram Story ein Foto von uns. Auch die Nachbarn haben so etwas noch nie gesehen und müssen gleich mal schauen kommen. Aber das kennen wir ja schon. Als einmal nur Arne seinen Bart schneiden/rasieren lassen hat, konnte ich sehr gut dabei zuschauen wie ihm die Haare und der Bart geschnitten wurden. Ich war überrascht, ja fast erschrocken, was er da jedes Mal durch machte. Da wurde massiert, geschnitten, eingecremt, rasiert, gepudert, abgewischt, eingecremt, abgewischt, eingesprüht, abgetupft, massiert, rasiert und geschnitten und wieder eingecremt und abgewischt und eingesprüht und abgerieben. Jedes Mal wenn ich dachte, dass es jetzt vorbei ist, kam noch irgendetwas. Einmal sind wir aus dem Salon getreten und da hat Arne sich zu mir gebeugt und sein Auge weit aufgerissenen. “Siehst du irgendwo meine Kontaktlinse?“ hat er mich gefragt. “Nein“ war meine Antwort und da sagte er: “Dann hat mir der Friseur sie wohl aus dem Auge gewischt“. Und so sind wir halb blind nach Hause gestolpert. Ein anderes Mal habe ich nach dem Friseurbesuch Arne von vorne betrachtet und da war die Frisur ganz schräg. Doch bei genauerem hinsehen war es gar nicht das Gel, sondern der Schnitt. Arne war nämlich viel zu groß für den Friseurstuhl und der Friseur war viel zu klein für Arne und so musste Arne seinen Kopf zur Seite lehnen, damit der Friseur oben auf dem Kopf die Haare schneiden konnte. Und so kam es, dass Arne einen schrägen Haarschnitt hatte.

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